Homeoffice und Gesundheit: Warum weniger Krankmeldungen nicht automatisch bessere Gesundheit bedeuten

Homeoffice hat die Art verändert, wie Menschen arbeiten. Es hat auch verändert, wie Menschen krank sind. Früher war die Entscheidung oft klarer: Wer krank war, blieb zu Hause. Heute steht der Laptop ohnehin auf dem Küchentisch. Eine Mail geht doch noch. Ein Meeting mit ausgeschalteter Kamera vielleicht auch. Nur kurz etwas freigeben. Nur schnell antworten. So wird Krankheit unsichtbarer.

Eine BMAS/IAB-Studie zeigt, dass Beschäftigte mit Homeoffice-Anteilen 2021 deutlich weniger Krankheitstage und Präsentismustage angaben als Beschäftigte, die ausschließlich im Betrieb arbeiteten. Bei ausschließlich im Betrieb Arbeitenden lagen die Krankheitstage 2021 im Schnitt bei 15,1 Tagen, bei Beschäftigten mit Homeoffice-Anteilen bei 6,7 Tagen. Präsentismustage lagen bei 10,1 gegenüber 4,4 Tagen.

Das klingt zunächst eindeutig. Ist es aber nicht.

Die Studie weist ausdrücklich darauf hin, dass Homeoffice auch das Verhalten im Krankheitsfall verändert. Niedrigere Krankmeldungen bedeuten deshalb nicht automatisch bessere Gesundheit.

Krank im Homeoffice ist immer noch krank

In Unternehmen wird selten systematisch erhoben, ob Homeoffice gesünder oder kränker macht. Oft fehlt schon die Unterscheidung zwischen tatsächlicher Gesundheit und verändertem Krankmeldeverhalten. Ein Risiko liegt im Präsentismus zu Hause. Menschen arbeiten weiter, obwohl sie Symptome haben. Sie beantworten Mails am Abend, nehmen aus dem Bett an Abstimmungen teil oder erledigen „nur das Nötigste“. Das Problem: Erholung wird unterbrochen.

Wer krank arbeitet, wird nicht schneller gesund, nur weil der Arbeitsweg entfällt. Im Gegenteil. Wenn Krankheit nicht auskuriert wird, kann sie länger dauern. Mitarbeitende brauchen dann unter Umständen mehr Zeit, bis sie wieder voll einsatzfähig sind. Besonders kritisch ist die unausgesprochene Erwartung: Wer zu Hause ist, kann doch wenigstens ein bisschen erreichbar sein. Diese Erwartung muss nicht einmal offen formuliert werden. Sie reicht als Gefühl. Manche Beschäftigte befürchten, im Homeoffice schneller als faul statt krank zu gelten. Also beweisen sie das Gegenteil. Sie antworten. Sie sind verfügbar. Sie machen weiter.

Führung muss Krankheit sichtbar legitimieren

Hybride Führung braucht klare Kommunikation. Dazu gehört auch der Umgang mit Krankheit. Führungskräfte sollten deutlich sagen: Wer krank ist, soll sich erholen. Es wird nicht erwartet, im Homeoffice trotz Krankheit erreichbar zu sein. Das klingt banal. Ist es aber nicht. Denn in vielen Teams entstehen Normen durch Alltagshandlungen. Wenn kranke Kolleginnen und Kollegen trotzdem in Meetings auftauchen, wird das schnell normal. Wenn Führungskräfte solche Teilnahme dankbar annehmen, verstärken sie das Muster. Besser wäre eine andere Reaktion: „Danke, aber bitte logg dich aus. Wir klären das intern. Gute Besserung.“ Damit wird Erholung nicht nur erlaubt, sondern geschützt.

Was HR regeln sollte

HR kann hybride Arbeit nicht allein über Arbeitsort und Technik definieren. Es braucht auch Regeln für Erreichbarkeit, Krankmeldung und Vertretung. Hilfreich sind klare Vereinbarungen: Krank ist krank, unabhängig vom Arbeitsort. Bei Krankheit besteht keine Erwartung an Erreichbarkeit. Führungskräfte fragen keine Arbeitsleistung bei erkrankten Mitarbeitenden ab. Vertretungen werden so organisiert, dass Ausfall nicht automatisch Schuldgefühle erzeugt. Führungskräfte leben diese Haltung selbst vor. Diese Punkte wirken unspektakulär. Genau deshalb sind sie wichtig. Sie verändern den Alltag.

Fazit

Weniger Krankmeldungen im Homeoffice sind nicht automatisch ein Erfolg. Sie können auf bessere Bedingungen hinweisen. Sie können aber auch bedeuten, dass Menschen krank weiterarbeiten. Unternehmen sollten deshalb genauer hinschauen. Nicht jede reduzierte Fehlzeit ist ein Gesundheitsgewinn. Manchmal ist sie nur verschobene Erholung.Gesunde hybride Arbeit braucht mehr als Laptop, VPN und flexible Tage. Sie braucht klare Führung: Wer krank ist, darf wirklich krank sein. Auch zu Hause.

Wenn Sie Unterstützung bei Führung brauchen, bin ich gerne für Sie da.

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