KI im Unternehmen einführen: Warum Technologie ohne gute Führung nicht trägt
Glaubwürdige Führung bedeutet nicht, auf jede Frage sofort eine perfekte Antwort zu haben. Es ist wesentlich hilfreicher, Unsicherheiten offen zu benennen und anschließend verlässlich zu klären, als Sicherheit vorzutäuschen, die nicht vorhanden ist…
Künstliche Intelligenz ist längst kein Randthema mehr. In der KPMG-Studie haben rund neun von zehn Unternehmen bereits Maßnahmen zur Automatisierung mit KI und anderen Technologien umgesetzt oder planen dies. 80 Prozent der Befragten schreiben diesen Maßnahmen ein hohes Potenzial zur Steigerung der Unternehmensperformance zu.
Die technische Logik ist nachvollziehbar: Prozesse sollen schneller, effizienter und teilweise automatisiert ablaufen.
Doch sobald eine neue Technologie den Arbeitsalltag verändert, beginnt noch etwas anderes.
Ein Veränderungsprozess.
Und der lässt sich nicht installieren.
Mitarbeitende hören bei „KI“ eine andere Frage als das Management
Wenn Unternehmen über KI sprechen, drehen sich Diskussionen häufig um Anwendungsmöglichkeiten, Daten, Prozesse, Effizienz und Business Cases.
Mitarbeitende beschäftigen möglicherweise ganz andere Fragen:
Was bedeutet das für meinen Arbeitsplatz? Welche meiner bisherigen Aufgaben fallen weg? Kann ich mit den neuen Anforderungen umgehen? Was passiert, wenn andere damit schneller zurechtkommen als ich? Wie sieht meine Rolle in Zukunft überhaupt aus?
Solche Fragen sind nicht automatisch Ausdruck von Technikfeindlichkeit.
Aus meiner Erfahrung steckt hinter Ablehnung häufig Unsicherheit. Menschen fürchten, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein, beruflich an Bedeutung zu verlieren oder sichtbar Schwierigkeiten mit einer neuen Technologie zu haben.
Wer diese Unsicherheit ausschließlich mit einer Software-Schulung beantworten möchte, greift zu kurz.
Der Nutzen muss vor dem Rollout verständlich sein
Einer der häufigsten Fehler bei technologischen Veränderungen liegt für mich in der Kommunikation.
Ein Unternehmen hat sich intensiv mit einem neuen System beschäftigt. Projektteam und Führung kennen die Gründe für die Einführung. Man hat Anbieter verglichen, Prozesse diskutiert und einen Zeitplan entwickelt.
Dann kommt die Information an die Mitarbeitenden.
„Ab nächsten Monat führen wir System X ein.“
Was für die Projektgruppe das Ergebnis vieler Monate Arbeit ist, ist für die Beschäftigten möglicherweise der erste Kontakt mit der Veränderung.
Genau hier entsteht eine Kommunikationslücke.
Mitarbeitende brauchen nicht jedes Detail des Projekts. Sie sollten aber verstehen, weshalb die Veränderung erfolgt, was sie für ihre tägliche Arbeit bedeutet und welchen Nutzen sie haben kann.
Sonst entsteht Raum für eigene Erklärungen. Und die fallen unter Unsicherheit selten besonders optimistisch aus.
Technologie ist nur ein Teil des Systems
Auch die KPMG-Studie warnt vor einer isolierten Einführung von Technologie. Datenqualität und strategische Planung werden als wichtige Grundlagen beschrieben. Automatisierungslösungen sollen in Strategie, bestehende Prozesse und Geschäftsmodelle eingebettet werden.
Im Bereich der KI-Implementierung bezeichnet die Studie die Auswahl von Tools ohne ausreichende Einbindung von HR ausdrücklich als Change-Management-Herausforderung. Sie verweist außerdem auf kontinuierliches Lernen im Arbeitsalltag und auf Ansprechpartner, die auch nach Trainings Unterstützung bieten.
Damit wird deutlich: Ein Einführungstermin ist kein Endpunkt.
Menschen brauchen Gelegenheit, neue Arbeitsweisen zu erproben. Fragen entstehen oft erst dann, wenn ein System wirklich genutzt wird. Was in einer Schulung plausibel klingt, sieht am Montagmorgen im konkreten Vorgang manchmal etwas anders aus.
Führungskräfte müssen selbst Orientierung haben
Eine Führungskraft kann nur schwer Sicherheit vermitteln, wenn sie selbst nicht weiß, welches Ziel verfolgt wird.
Deshalb sollten Führungskräfte bei technologischen Veränderungen früh genug eingebunden werden. Sie brauchen mehr als eine Präsentation über Funktionen.
Sie müssen erklären können, warum die Veränderung erfolgt, was sie für ihr Team bedeutet und was noch nicht geklärt ist.
Gerade der letzte Punkt ist wichtig.
Glaubwürdige Führung bedeutet nicht, auf jede Frage sofort eine perfekte Antwort zu haben. Es ist wesentlich hilfreicher, Unsicherheiten offen zu benennen und anschließend verlässlich zu klären, als Sicherheit vorzutäuschen, die nicht vorhanden ist.
Widerstand sollte nicht vorschnell bekämpft werden
Auch bei technologischen Veränderungen kann Widerstand wertvolle Informationen liefern.
Vielleicht ist der Nutzen nicht klar. Vielleicht wurde eine wichtige Auswirkung auf den Arbeitsalltag übersehen. Vielleicht reicht die Schulung nicht aus. Oder Mitarbeitende sehen ein Problem, das in der Projektplanung bislang keine Rolle gespielt hat.
Widerstand ist deshalb nicht automatisch ein Hindernis, das beseitigt werden muss.
Er kann zeigen, wo noch Arbeit nötig ist.
Das bedeutet nicht, dass jede Kritik zu einer Änderung der Entscheidung führen muss. Aber sie verdient eine ernsthafte Auseinandersetzung.
KI unterstützt. Verantwortung bleibt beim Menschen.
Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang ein Grundsatz aus dem in der Studie enthaltenen Interview mit Christian Sar, CFO von Allianz Services: Der Mensch trifft Entscheidungen, die KI liefert Entscheidungsgrundlagen.
Diese Haltung halte ich für wichtig.
KI kann Menschen unterstützen, Informationen verarbeiten und Arbeit effizienter machen. Die Verantwortung für Entscheidungen darf dadurch nicht unsichtbar werden.
Das betrifft den konkreten Einsatz der Technologie genauso wie ihre Einführung.
Ein Unternehmen entscheidet, wie KI eingesetzt wird. Führungskräfte entscheiden, wie sie darüber sprechen. Verantwortliche entscheiden, wie viel Zeit für Qualifizierung und Veränderung eingeplant wird.
Technologie verändert Arbeit. Ob daraus eine gute Veränderung wird, entscheidet sich deshalb nicht nur im System.
Es entscheidet sich auch in Führung und Kommunikation.
Unternehmen, die Führungskräfte auf genau diese Aufgabe vorbereiten möchten, können technologische Transformation deshalb sinnvoll mit Workshops zu Change-Kommunikation, Führung und Umgang mit Widerstand verbinden. Das Ziel ist nicht, Führungskräfte zu KI-Expertinnen und Experten zu machen. Sie sollen in der Lage sein, Menschen durch die Veränderung zu führen.
Wenn Sie dabei Unterstützung brauchen, bin ich gerne für Sie da.